Der Verein Zusammenwald e.V. schafft und erhält natürliche Lebensräume. Wir sind überzeugt, dass klimastabile Wälder dem langfristigen Wohl unserer Gesellschaft und der Erde dienen. Dazu erwerben wir forstlich bewirtschaftete Wälder und wandeln diese in einen Rückzugsraum für Natur und Mensch um. Im Vordergrund stehen die natürliche Entwicklung und Förderung der Artenvielfalt in unseren Wäldern. Ein kleiner Teil unserer Wälder dient als gesellschaftlicher Experimentierraum. Hier können wir mit und von der Natur lernen. Grundsätzlich verzichten wir in unseren Wäldern auf wirtschaftlichen Profit. Der Wald wird gänzlich aus der forstwirtschaftlichen Nutzung genommen.
Artenvielfalt
In Deutschland wird die Entwicklung der Wälder durch die Forstwirtschaft bestimmt. Lediglich 5 % der deutschen Waldfläche ist vor forstlichen Eingriffen geschützt (BMEL 2012, dritte Bundeswaldinventur). Jedoch sind für die Erhaltung der Biodiversität nicht bewirtschaftete Wälder sehr wichtig. Sie bieten Platz für alte und knorrige sowie junge und schiefe Bäume. In diesen heterogenen Strukturen, die normalerweise vom Menschen beeinflusst oder zerstört werden, finden eine Vielzahl von Tieren, Pflanzen und Pilzen ihr Zuhause. Ganz besondere Aufmerksamkeit ist auf einen gesunden Boden und den darin lebenden Organismen zu richten. Sie sind verantwortlich, dass die Bäume mit wichtigen Nährstoffen und in Trockenzeiten mit ausreichend Wasser versorgt werden können. Entsprechend verzichten wir in unseren Wäldern auf jeglichen Einsatz von schweren Maschinen und fördern die Bodenfruchtbarkeit.
Klimaschutz
Der Verzicht auf die Holzernte erlaubt es, dass in unseren Wälder Bäume auf natürliche Weise absterben, verrotten und junge Bäume ungestört nachwachsen können. Durch diesen Prozess der Urwaldbildung kann, im Gegenteil zu forstlich bewirtschafteten Wäldern, bis zu doppelt so viel Holzmasse aufgebaut werden (Umweltrat, 2016). In dieser Holzmasse wird Kohlenstoff gespeichert, der sich über das gesamte Leben eines Baumes anreichert. Stirbt der Baum, wird das Totholz von vielen kleinen Bodenorganismen in Humus umgewandelt. Somit erreichen wir, dass ein Teil des vorher gespeicherten Kohlenstoffes langfristig im Waldboden gespeichert wird. Im Vergleich zu konventionell bewirtschafteten Wäldern speichern wir mit unserem Konzept mehr Kohlenstoff, indem wir die Bäume bis zu ihrem natürlichen Lebensende wachsen lassen.
Entwicklung
Die gesellschaftliche Bedeutung der Wälder verändert sich stetig. In der Antike verhalfen die Wälder unseren germanischen Vorfahren zum ruhmreichen Sieg in der Varusschlacht. Vom Mittelalter bis zur Industrialisierung waren sie wichtige Rohstoffquellen und nach dem zweiten Weltkrieg Teil der Reparationsleistungen an die Siegermächte. Auf diese und die zukünftige Bedeutung der Wälder, als Wissens-, Erholungs- und Kulturraum, konzentrieren wir uns. Dazu können unsere Mitglieder auf bis zu 20 % einen Entwicklungsraum zu Themen wie Gemeinschaft, Gesundheit, Ernährung und Bildung gestalten. Voraussetzung ist, dass die Konzepte die natürliche Entwicklung der Wälder nicht eingeschränkt und die Artenvielfalt erhalten bleibt.
Was bedeutet dies konkret:
Nutzung des Waldes:
- Es werden keine Bäume für eine forstliche Nutzung gefällt.
- Ausnahmsweise können Bäume gefällt werden, um lichte Strukturen für eine erhöhte Artenvielfalt zu fördern, invasive Arten zu bekämpfen und die Verkehrssicherungspflicht wahrzunehmen.
- Das Holz und die Rinde der Bäume verbleit auf der Waldfläche.
- Der Waldboden wird nicht umgewandelt, bspw. für Infrastrukturprojekte.
- Der Rückbau vorhandener Infrastruktur wird unterstützt.
Maschineneinsatz:
- Es werden keine schweren Maschinen auf dem Waldboden eingesetzt (u.a. Harvester, Forwarder, Traktoren, Bagger).
- Kleinere Maschinen können zur Waldpflege notwendig sein (u.a. Motorsäge, Freischneider, Seilwinde, Lochbohrer).
- Es werden nur besonders umweltverträgliche Sonderkraftstoffe bzw. elektronische Motoren eingesetzt.
Pflanzung:
- Zur Erhöhung der Artenvielfalt, der CO2-Speicherkapazität und Klimastabilität der Wälder können weitere Baumarten auf den Flächen eingebracht werden.
- Neu zu pflanzende Baumarten entsprechen der potenziellen natürlichen Vegetation des Standorts oder eignen sich aufgrund der zu erwartenden Klimaveränderungen besonders gut auf dem Standort.
- Die Provenienzen der neu zu pflanzenden Baumarten werden für das zu erwartende Klima berücksichtigt.
Experimentierraum:
- Bietet ein Gegengewicht zur forstlich dominierten Bewirtschaftung unserer Wälder.
- Die Förderung und Untersuchung von Ökosystemleistungen stehen im Vordergrund.
Verhältnis zur Forstwirtschaft
Wir wollen das Projekt nicht als eine Konfrontation zur Forstwirtschaft sehen. Wir verstehen die hohe Komplexität, mit der Waldmanager in den letzten Jahren konfrontiert waren. Wir glauben das Holz ein wichtiger Rohstoff ist, der auch in Zukunft etwa für den Möbelbau oder Häuserbau eine wichtige Rolle spielen wird. Auch möchten wir klarstellen, dass der Wald unter dem Klimawandel leidet und den Zustand unserer Wälder die Verursacher des Klimawandels zu verantworten haben. Trotzdem glauben wir, dass die rein wirtschaftliche Nutzung von Waldflächen nicht allen Funktionen eines Ökosystems nachkommt und wollen daher mit dem Zusammenwald e.V. Waldflächen aus den wirtschaftlichen Zwängen befreien. Wir glauben, dass es beides geben kann, Flächen die wirtschaftlich genutzt werden und Flächen die unprofitable Ökosystemleistungen fördern. Wir verstehen uns insofern als ein Projekt welches neben der Forstwirtschaft existiert.

